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Aphorismen - Philo-sophie - Lebenskunst

Über Mann und Frau – STANISŁAW JERZY LEC

  • Einen echten Mann kann man sogar erkennen, wenn er nackt ist.
  • Die Frauen sind Sadistinnen. Sie quellen uns mit den Foltern, die wir ihnen zufügen.
  • Man kann sich bloss aus Eifersucht verlieben.
  • Wenn die Kunst ein Gespräch zu führen zunehmen würde, wird die Geburtenrate abnehmen.
  • Der Teufel schläft nicht… mit irgendwem.
  • Können Sie sich eine Frau vorstellen, die es ihrem Lover erlaubt hätte ihr Tausend und eine Nacht Märchen zu erzählen?
  • Plagiatoren, ihr könnt ruhig schlafen. Die Muse ist eine Frau. Sie gesteht nur selten ein, wer der erste war.
  • Und was sagst du, Physik?! Kälte zwischen zwei Menschen als Folge der Reibung zwischen ihnen…

(Stanisław Jerzy Lec)

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über den Mensch – STANISŁAW JERZY LEC

  • Der Gott hat den Mensch als seine Abbildung geschaffen. Aber warum sind wir uns sicher, dass er im realistischen Stil gearbeitet hat?
  • Ein Dach über dem Kopf hindert die Menschen oft am Wachstum.
  • Ich kannte einen Mensch, der so belesen war, dass er selbst die Zitate der Klassiker erfinden musste.
  • Ein dummer Mensch ist der, der sich für kluger als mich hält.
  • Sein Gewissen ist rein. Es wurde noch nie gebraucht.
  • Nach den Gesprächen mit manchen Menschen bekomme ich einen stark ausgeprägten Vollwertigkeitskomplex.
  • Wenn ein Tier absichtlich töten könnte, wäre es ein echter menschlicher Tat.
  • Jemand, der von nichts eine Ahnung hat, kann mit jeder Arbeit beginnen.
  • Viele Nullen meinen, dass sie die Bahn sind, auf der die Welt sich dreht.
  • Den Verstand können nur diejenige verlieren, die ihn haben.
  • Die Geburt ist ein krankhafter Prozess, besonders wenn man sich selbst gebärt, vor allem im reifen Alter.
  • Die Spaltung der Persönlichkeit ist eine schwere psychische Krankheit, da sie die endlose Anzahl von Wesen, die für gewöhnlich eine Person ausmachen, auf die elenden zwei reduziert.
  • Die Grenze zwischen Licht und Schatten – das bist Du!

(Stanisław Jerzy Lec)

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25 Aphorismen über lebenswichtige Themen – Stanisław Jerzy Lec

  • Der Zufall regiert die Welt. Wenn man nur wissen könnte, wer regiert den Zufall.
  • Wenn ich beginne ernsthaft nachzudenken, bemerke ich, wie komisch diese Welt eigentlich ist.
  • Die Wahrheit liegt oft genau in der Mitte. In den meisten Fällen ohne Gedenkstein.
  • Es genügt, sich einer Illusion hinzugeben, um reale Folgen zu verspüren.
  • Der Augenblick der Erkenntnis der eigenen Unbegabtheit ist das Blitzlicht der Genialität.
  • Wir müssen uns endlich eingestehen, dass wir das Leben nur aus der Literatur kennen. Gewiss, ausgenommen die Menschen, die sich mit der Literatur nicht auskennen.
  • Wir definieren die Lage als ausweglos, bei der der Ausweg uns nicht gefällt.
  • Die Menschen sind einsam, weil sie anstatt von Brücken die Mauern bauen.
  • Nicht jede graue Masse hat etwas mit Hirn zu tun.
  • Die Sprichwörter widersprechen einander. Darin liegt nämlich die Lebensweisheit.
  • Technik bedeutet Fortschritt. Aber ein Fahrstuhl geht definitiv öfter kaputt als eine Treppe.
  • Über alles wurde bereits geschrieben. Zum Glück wurde noch nicht über alles nachgedacht.
  • Wenn die Klatschereien veralten, werden sie zu Mythen.
  • Das Leben ist ein schädlicher Prozess. Er endet bei allen mit dem Tod.
  • Ich dachte schon, dass ich ganz zum Boden verkommen bin, als ich plötzlich ein Klopfen von unten hörte…
  • Der Optimismus und der Pessimismus sind sich nur über das Datum der Ende der Welt nicht einig.
  • Viele Bumerange kehren nicht zurück. Sie wählen die Freiheit.
  • Angenommen du wirst die Wand mit dem Kopf brechen können. Und was wirst Du dann in der benachbarten Zelle tun?
  • Ich mag das Lachen durch die Tränen nicht. Es ist verdünnt.
  • Sehr schade, dass man mit einem Leichenwagen ins Himmelreich fahren muss.
  • Die Unkenntnis des Gesetzes schützt nicht vor Strafe. Aber die Kenntnis, eben, doch.
  • Aus einem System werden wir noch lange keinen Ausweg finden können. Aus dem Sonnensystem.
  • Wenn du aufblinzelnd zu der Welt schaust, ist es einfacher die Tränen zu verstecken.
  • In die Liste der Plagereien, die das Volk über sich ergehen liess, soll man die Pflichtlektüren in der Schule eintragen.
  • Lebenslang ein Ziel zu verfolgen ist nur dann möglich, wenn es sich permanent wegrückt.

(Stanisław Jerzy Lec)

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15 ernste Lebensprinzipien, die immer funktionieren

  1. Das Gesetz von Young:
    Alle grosse wissenschaftliche Entdeckungen werden zufällig gemacht.
  2. Die Folge von Lehramt:
    Ihnen wird immer entweder das Geld oder die Zeit fehlen.
  3. Der Grundsatz von Khan und Obren:
    Wenn nichts anderes hilft, lesen Sie endlich die Bedienungsanleitung!
  4. Die achte Regel von Fingeil:
    Die Teamarbeit ist extrem wichtig. Es macht möglich, dass die Schuld immer bei den anderen liegt.
  5. Das Gesetz von Maskieman:
    Es fehlt immer die Zeit, um eine Arbeit richtig auszuführen. Aber man findet immer die Zeit für eine Überarbeitung.
  6. Das Postulat von Harrison:
    Für jedes Handeln existiert eine entsprechende Kritik, die es negiert.
  7. Das Gesetz der wissenschaftlichen Forschung:
    Man kann immer eine genügende Anzahl von wissenschaftlichen Studien finden, um die eigene Theorie zu verteidigen.
  8. Das Gesetz der Suche:
    Eine Suche muss man immer am unpassendsten Ort beginnen.
  9. Das Gesetz von Segal:
    Ein Mensch, der eine Uhr besitzt, weiss immer, wie spät es ist. Ein Mensch, der mehrere Uhren besitzt, ist nie sicher.
  10. Das Wurstprinzip:
    Die, die Wurst lieben und an Gesetze glauben, müssen nicht anschauen, wie beides produziert wird.
  11. Das Van-Roy-Gesetz:
    Ein bruchsicheres Spielzeug kann nützlich sein, um damit andere Spielzeuge zu zerschlagen.
  12. Die Regel der gegenseitigen Abhängigkeit von Richardson:
    Das, was lange genug unbenutzt liegt, kann weggeworfen werden. Wenn Sie etwas wegwerfen, werden Sie es bald brauchen.
  13. Die Beobachtung von Ettore:
    Die Schlange nebenan bewegt sich immer schneller.
  14. Bananenprinzip:
    Wenn Sie unreife Bananen gekauft haben, werden Sie zur Zeit der Reifung keine mehr haben. Wenn Sie reife Bananen gekauft haben, werden sie schlecht bevor Sie sie gegessen haben.
  15. Das professionelle Arbeitsgesetz von Drü:
    Der, der am wenigsten bezahlt hat, beklagt sich am meisten.
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Lust

Lust ist der Körper- und Bewusstseinszustand, der das Leben lebenswert macht, oder es wenigstens als lebenswert erscheinen lässt. Genau genommen ist die Lust das a priori Lebendige am Leben, weil alles Lebendige ihren Ursprung in der Lust sucht und findet. Auf dem Hintergrund der Langeweile, gemischt mit der Melancholie, auf dem das alltägliche Leben sich für gewöhnlich abspielt, bildet die Lust den hellsten Fleck der Existenzlandschaft. Sie steht für die Sonne, die wärmt, nährt, wachsen und reifen lässt. Die Sonne, die erhellt und veredelt. Die Lust ist keinesfalls mit Gott zu verwechseln: Gott ist eine unnatürliche Erscheinung, ein menschliches und damit kulturelles Konstrukt, ein Wort, ein Begriff, der alles und nichts meint. Ähnlich steht es mit der Sexualität und sogar mit der Erotik, die auch eine Erfindung der Zivilisation ist, wenn auch höchstwahrscheinlich die schönste. Die Lust hat mit der Erotik aber nur insofern zu tun, dass Erotik, wie alles andere auch, in der Lust erwacht und aus der Lust entsteht.

 Die Lust ist unmittelbar und bedingungslos. Tiere haben nicht auf Menschen gewartet, damit diese ihnen Lust beibringen. Im Unterschied zur Erotik verspüren Tiere ebenfalls Lust. Die Lust ist enger mit dem Begehren als mit der Erotik verwandt. Das Begehren und die Verführung resultieren ebenfalls aus der Lust. Auch wenn diese ersten Grundformen der Lust bilden, ist die Lust trotzdem das Ursprünglichste, das Allererste, das Grundlegendste aller Zustände, die lebendige Wesen empfinden. Wenn es jemals eine adäquate Religion geben könnte, dann wäre es eine, die auf der Lust basiert. Weil diese sowohl Gott als auch den Teufel, sowohl Atman als auch Brahman, sowohl Adam als auch Eva vertreten kann. Die Lust ist allgegenwärtig. Sie ist der perfekte Gottesersatz.

In der Kunst und in der Literatur, genauso wie in der Philosophie, Psychologie, Soziologie und anderen Wissenschaften, die alle als Pseudowissenschaften fungieren, wenn es auf eine Grundlegung der Existenz ankommt, wurde die Lust bisher eher vernachlässigt, und zwar, zu Unrecht. Es gibt Millionen Oden an die Liebe, Tausende Oden an den Sex und nur Wenige an den Eros (Hier denke ich vor allem an Platon, an Bataille und an Arsan). Jedoch kenne ich kaum eine Ode an die Lust, wahrscheinlich weil sie mit ihrer wilden Natur der Kultur – und damit auch der Literatur und der Philosophie – entgangen ist. Die Lust kann grausam und barbarisch sein. Vielleicht gerade darum gab es nur einen grossen Denker (von Sade abgesehen), der die Rolle der Lust in ihrer Tiefe erkannte. Das war Friedrich Nietzsche. Sein Gedicht „Alle Lust will Ewigkeit“ steht exemplarisch für die Tiefgründigkeit der Lust:

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

„Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust – tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

Das Wort „tief“ kommt hier in elf Zeilen acht Mal vor, was nur darauf hinweisen kann, dass es sich bei der Lust um den tiefgründigsten Körper- und Bewusstseinszustand handelt. Noch tiefer ist vielleicht nur der Tod, aber was können wir überhaupt über den Tod wissen?! Über die Lust dagegen – eine ganze Menge: wenn Freud im Anschluss an Nietzsche seine Kulturtheorie und Theorie der Sublimation entwirft, nennt er sie „Jenseits des Lustprinzips“. Und dass es hauptsächlich um die Verdrängung des Lust-Triebes handelt kann nur mit seiner puritanisch-jüdisch-orthodox-christlich-protestantischer Erziehung, und nicht zuletzt mit der Wiener Ausbildung zu tun haben. Auch wenn Freud der Lust sehr viel Aufmerksamkeit schenkt, schickt er sie schliesslich ins Exil, wo sie, abgesehen von wenigen Ausnahmen, bis ins 21. Jahrhundert eine ärmliche Existenz führt, als Forschungsobjekt für Artisten, die sich mit vulgären, pornographischen Themen befassen. […]

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